LEHMPUTZ

Der Baustoff Lehm:

Lehm ist wohl neben Holz das älteste Baumaterial des Menschen. Lehmbautechniken sind seit mehr als 9000 Jahren bekannt und noch heute lebt etwa ein Drittel der Erdbevölkerung in Lehmhäusern.

Der Lehmbau war bis vor etwa 100 Jahren in Mitteleuropa eine weit verbreitete Bautechnik. Durch die Industriealisierung im 19. Jahrhundert verlor das Bauen mit Lehm seine Bedeutung und wurde durch das Bauen mit Kalk, Zement und Gips ersetzt. Erst mit dem entstehenden Bewusstsein für die Umweltproblematik wurde der Baustoff Lehm in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.

Zusammensetzung:

Lehm ist eine Mischung aus Ton, Schluff (Feinsand) und Sand, wobei auch noch gröberes Material wie Kies und Steine darin enthalten sein können. Im Lehm wirkt der Ton als Bindemittel, das die übrigen gröberen Partikel miteinander verbindet.

Schluff, Sand und Kies sind daher nur sogenannte Füllstoffe. Je nachdem welcher der drei Hauptbestandteile beim Lehm überwiegt, spricht man von einem tonigen, schluffrigen oder sandigen Lehm.

Eigenschaften:

Lehm ist nicht so plastisch wie Ton und auch nicht so wasserundurchlässig. In feuchtem Zustand ist Lehm formbar, in trockenem Zustand ist Lehm fest. Bei Wasserzugabe quillt Lehm, beim Trocknen schwindet bzw. schrumpft er, dies ist im Lehmbau besonders zu beachten. Seine unvergleichlichen technischen Eigenschaften sind: atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend, wärmedämmend, schadstoffabsorbierend, schalldämmend, energiesparend, wohngesund...

Vorteile:

Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit

Lehm kann relativ schnell Luftfeuchtigkeit aufnehmen und diese bei Bedarf wieder abgeben. Dadurch reguliert er die Feuchtigkeit der Raumluft und trägt somit zu einem gesunden Raumklima bei. Das verhindert ein Austrocknen der Schleimhäute, reduziert die Feinstaubbildung und wirkt somit vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten.

Lehm konserviert Holz

Wegen seiner geringen Gleichgewichtsfeuchte von ca. 5% hält der Lehm, der das Holz umschließt, dieses trocken und schützt es vor Pilzen und Insektenbefall. Insofern kann man von einer Konservierung durch Lehm sprechen.

Lehm speichert Wärme

Lehm speichert, ähnlich wie andere schwere Baustoffe, Wärme und kann somit bei passiver Sonnenenergienutzung zur Energieeinsparung beitragen.

Lehm bindet Schadstoffe

Lehm hat die Fähigkeit Fremdstoffe bzw. Schadstoffe zu binden und absorbiert daher im Wasserdampf gelöste Schadstoffe aus der Luft.

Lehm schirmt hochfrequente Strahlung ab

Lehm spart Energie und verringert die Umweltverschmutzung

Lehm benötigt bei der Aufbereitung und Verarbeitung im Gegensatz zu anderen Baustoffen sehr wenig Energie und trägt somit kaum zur Umweltverschmutzung bei, er braucht etwa 1% der Energie, die für die Herstellung von Mauerziegeln oder Stahlbeton notwendig ist.

Lehm ist stets wiederverwendbar

Trockener Lehmbaustoff braucht nur zerkleinert und mit Wasser angefeuchtet zu werden und schon lässt er sich wieder ohne technischen Qualitätsverlust verarbeiten. Lehm wird im Gegensatz zu konventionellen Baustoffen die Umwelt niemals als Bauschutt belasten.

Vorsicht / zu Beachten:

Lehm schwindet beim Austrocknen

Durch die Verdunstung des Anmachwassers, das notwendig ist, um Lehm verarbeiten zu können und seine Bindekraft zu aktivieren, reduziert sich sein Volumen, es entstehen "Trocken- bzw. Schwindrisse". Das Schwinden kann jedoch durch Reduzierung des Wasser- sowie des Tonanteils und durch Optimierung der Kornzusammensetzung wesentlich verringert werden.

Lehm ist nicht wasserfest

Lehm muss daher insbesondere in feuchtem Zustand vor Regen und vor Frost geschützt werden. Ein dauerhafter Schutz von Lehmwänden vor Nässeeinwirkung kann durch konstruktive Maßnahmen (Dachüberstand, Spritzwassersockel, horizontale Isolierung gegen "aufsteigende Nässe") und durch entsprechende Oberflächenbehandlungen (Anstriche, Hydrophobierung, Putze) erreicht werden.

Einsatzbereich von Lehm

Lehm wird als Baustoff sehr vielfältig für die verschiedensten Einsatzgebiete aufbereitet. Er kann als Schüttung in Zwischenböden eingebracht werden, als Mörtel oder Putz verarbeitet oder zu Steinen oder Platten geformt werden. Er lässt sich erdfeucht zu massiven Wandkonstruktionen stampfen.

Verschiedenste Zusätze wie Stroh oder Holzhäcksel, Hanffasern oder Holzspäne sorgen für die unterschiedlichen Festigkeiten, Elastizität oder wärmedämmende bzw. wärmespeichernde Eigenschaften.

Lehmputz kann verwendet werden bei Steinmauern (Gewölbe, Keller), Ziegelmauern,

auf Betonmauern (mit Vorspritzer mit einer Körnung von 0,4 bis 0,6 mm) und

auf Holz mit zuvor montierten Putzträgern (Schilfmatten).

Lehmpulver kann aber auch einfach nur zum Spielen benutzt werden.

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